„Es braucht ein Dorf“: Erfolgreicher Fachtag stärkt die Zusammenarbeit für Familien mit psychisch kranken Eltern

Fachtag 2026 "es braucht ein Dorf"

Wie kann Unterstützung gelingen, wenn psychische Erkrankungen nicht nur einen einzelnen Menschen, sondern das gesamte Familienleben prägen? Und wie können Jugendhilfe, psychiatrische Erwachsenenhilfe, Gesundheitswesen, Schule, Beratung und Verwaltung so zusammenarbeiten, dass Familien verlässliche und passgenaue Hilfen erhalten? Diesen Fragen widmete sich am 8. Juli 2026 der vollständig ausgebuchte Fachtag „Es braucht ein Dorf – Kooperation für Familien mit psychisch kranken Eltern“ im Städteregionshaus Aachen. Veranstaltet wurde der Tag von StäpkE, dem Angebot des SkF Alsdorf für Familien mit psychisch belasteten Eltern, zusammen mit seinen Kooperationspartnern von AKisiA, Feuervogel und dem Gesundheitsamt der StädteRegion Aachen.

Der Titel des Fachtags brachte das gemeinsame Anliegen auf den Punkt: Familien mit psychisch kranken Eltern brauchen mehr als einzelne, voneinander getrennte Unterstützungsangebote. Sie brauchen ein tragfähiges Netz aus aufmerksamen Menschen, fachlich starken Diensten und verlässlichen Strukturen. Denn die Lebensrealität von Familien hält sich nicht an Zuständigkeitsgrenzen. Psychische Belastungen eines Elternteils können den Alltag aller Familienmitglieder beeinflussen. Kinder übernehmen mitunter früh Verantwortung, Partnerinnen und Partner gelangen an ihre Belastungsgrenzen, während notwendige Hilfen zwischen verschiedenen Systemen koordiniert werden müssen.

Passgenaue Hilfe gelingt nur gemeinsam!

Gerade die Schnittstelle zwischen Jugendhilfe und psychiatrischer Erwachsenenhilfe liegt dem SkF Alsdorf besonders am Herzen. In seiner täglichen Arbeit erlebt der SkF, wie wichtig es ist, die Bedürfnisse der Kinder wahrzunehmen, ohne die erkrankten Eltern aus dem Blick zu verlieren. Wirksame Unterstützung entsteht dann, wenn nicht nur einzelne Symptome oder formale Zuständigkeiten betrachtet werden, sondern das gesamte Familiensystem. Mit dem Angebot StäpkE engagiert sich der SkF Alsdorf dafür, die Zusammenarbeit rund um Familien mit psychisch erkrankten Eltern zu stärken, Fachkräfte miteinander zu vernetzen und passende Unterstützungswege gemeinsam weiterzuentwickeln.

Der Fachtag bot hierfür einen lebendigen und praxisnahen Rahmen. Nach der Begrüßung und den Willkommensgrüßen durch Städteregionsrat Dr. Tim Grüttemeier und den Aachener Oberbürgermeister Dr. Michael Ziemons konnten die Teilnehmenden beim „Markt der Möglichkeiten“ miteinander ins Gespräch kommen und verschiedene Angebote kennenlernen. In den anschließenden Workshops wurden konkrete Fälle, typische Stolpersteine und zentrale Fragen der Zusammenarbeit aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven bearbeitet.

Nicht nur Theorie: Praktisches Handeln gemeinsam entwickeln

Die Fallbesprechungen waren bewusst so angelegt, dass sie zunächst die Unübersichtlichkeit widerspiegelten, die Fachkräfte auch im Berufsalltag erleben: Viele Beteiligte, unterschiedliche Informationen, eigene Aufträge und verschiedene Einschätzungen treffen aufeinander. Durch den Austausch der Professionen entstand Schritt für Schritt ein klareres Bild. Genau darin lag eine besondere Stärke des Fachtags. Nicht eine einzelne Fachrichtung sollte die richtige Antwort liefern. Vielmehr wurde erlebbar, wie sich Wissen, Erfahrung und unterschiedliche Zugänge ergänzen können, wenn alle Beteiligten bereit sind, einander zuzuhören und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.

Das vielseitige Programm reichte von interdisziplinären Fallbesprechungen über Datenschutz und grenzüberschreitende Kooperation bis hin zu den unterschiedlichen Systemlogiken von Jugendhilfe und Psychiatrie. Auch schwierige Erfahrungen aus der Praxis fanden Raum: unklare Zuständigkeiten, fehlende Kommunikation, institutionelles Denken oder Situationen, in denen Kooperation an Grenzen stößt. Dabei blieb es jedoch nicht bei der Beschreibung von Problemen. Die Teilnehmenden entwickelten Ideen für klarere Absprachen, verlässliche Kommunikationswege und eine Zusammenarbeit, die Familien nicht immer wieder von vorne beginnen lässt.

Initiative für eine neue Zusammenarbeit

Besonders deutlich wurde: Kooperation ist kein zusätzlicher Luxus, sondern eine fachliche Notwendigkeit. Gerade in Zeiten knapper werdender Ressourcen und steigender Unterstützungsbedarfe müssen vorhandene Angebote sinnvoll aufeinander bezogen werden. Gute Abstimmung kann Doppelstrukturen vermeiden, Übergänge verbessern und dazu beitragen, dass Hilfen früher und nachhaltiger wirken. Unterschiedliche fachliche Perspektiven müssen dabei nicht vereinheitlicht werden. Ihre Stärke liegt vielmehr darin, dass sie sich ergänzen und ein umfassenderes Bild der familiären Situation ermöglichen.

Die große Beteiligung, die engagierten Diskussionen und die begeisterten Rückmeldungen der Teilnehmenden machten den Fachtag zu einem vollen Erfolg. Fachkräfte aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern nutzten die Gelegenheit, voneinander zu lernen, bestehende Kontakte zu vertiefen und neue Verbindungen zu knüpfen. Damit wurde das „Dorf“, von dem der Titel spricht, nicht nur beschrieben, sondern für einen Tag ganz konkret erlebbar.

Der SkF Alsdorf bedankt sich herzlich bei allen Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartnern, den Referierenden, den Verantwortlichen der StädteRegion Aachen sowie allen Teilnehmenden, die mit ihrem Wissen, ihren Erfahrungen und ihrer Offenheit zum Gelingen beigetragen haben. Der Fachtag hat gezeigt, wie viel möglich wird, wenn Institutionen über ihre eigenen Grenzen hinausdenken und gemeinsam Verantwortung übernehmen. Diesen Weg möchten wir weitergehen – damit Familien mit psychisch kranken Eltern frühzeitig Unterstützung erfahren, Kinder verlässliche Entwicklungsräume erhalten und niemand an den Übergängen zwischen den Hilfesystemen allein bleibt.