Schulbegleitung beim SkF Alsdorf: Wie Anne Rüben Ben auf seinem Weg in die Selbstständigkeit begleitet

Alexandra Rouette mit Anne Rüben, die beim SkF Alsdorf als Schulbegleitung arbeitet

Schulbegleitung macht Inklusion möglich. Sie gibt Kindern Sicherheit, stärkt ihre Selbstständigkeit und schafft die Voraussetzungen dafür, dass sie ihren eigenen Weg gehen können. Beim SkF Alsdorf arbeiten rund 100 Schulbegleiterinnen und Schulbegleiter an Schulen in der StädteRegion Aachen. Eine von ihnen ist Anne Rüben. Sie begleitet den zehnjährigen Ben, der Trisomie 21 hat und eine Regelschule besucht. Ihre Geschichte zeigt beispielhaft, wie wichtig Schulbegleitung für Kinder mit Unterstützungsbedarf sein kann und wie wertvoll es ist, wenn zwischen Kind und Schulbegleitung einfach das richtige „Match“ entsteht.

Vertrauen in Ben und in seinen eigenen Weg

Als Bens Kindergartenzeit zu Ende ging, standen seine Eltern vor einer wichtigen Entscheidung: Wie sollte es für ihren Sohn schulisch weitergehen? Von vielen Seiten wurde ihnen eine Förderschule empfohlen. Auch die Corona-Pandemie hatte Spuren hinterlassen. Unter anderem konnte in dieser Zeit wichtige logopädische Förderung nicht in dem Umfang stattfinden, wie es für Ben wünschenswert gewesen wäre.

Doch Bens Eltern vertrauten ihrem Sohn. Sie vertrauten darauf, dass er sich weiterentwickeln und seinen eigenen Weg gehen würde. Gemeinsam entschieden sie sich deshalb für eine Regelgrundschule in Herzogenrath. Schnell zeigte sich: Diese Entscheidung war für Ben genau richtig.

Heute besucht der zehnjährige Junge eine Grundschule in Pannesheide. Er lernt gemeinsam mit anderen Kindern und ist ein fester Bestandteil seiner Klasse. Möglich ist das durch ein Zusammenspiel vieler Menschen: durch das Vertrauen seiner Eltern, durch eine Schule, die inklusives und jahrgangsübergreifendes Lernen lebt, und nicht zuletzt durch seine Schulbegleiterin Anne Rüben vom SkF Alsdorf.

Anne Rüben und Ben: Wenn es einfach passt

Anne Rüben ist 39 Jahre alt und seit 2024 beim SkF Alsdorf als Schulbegleiterin tätig. Auf den SkF aufmerksam wurde sie zunächst aus einem ganz persönlichen Grund: Ihre Mutter wird bereits seit rund 20 Jahren im Betreuten Wohnen des SkF begleitet und gut versorgt.

Als Anne Rüben auf die Möglichkeit aufmerksam wurde, als Schulbegleiterin zu arbeiten, war das für sie eine neue berufliche Perspektive. Zuvor war sie im Einzelhandel tätig und hatte eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten absolviert. Mit der Geburt ihres Sohnes wurde ihr jedoch zunehmend bewusst, dass sie beruflich etwas anderes suchte. Etwas, bei dem sie Menschen unterstützen und eine sinnvolle Aufgabe übernehmen konnte. Die Tätigkeit als Schulbegleiterin eröffnete ihr genau diese Möglichkeit.

Eine pädagogische Ausbildung ist für den Einstieg in die Schulbegleitung nicht zwingend erforderlich. Damit bietet das Berufsfeld auch Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern die Chance, im sozialen Bereich tätig zu werden. Gleichzeitig sorgt der SkF Alsdorf dafür, dass seine Schulbegleiterinnen und Schulbegleiter die notwendige fachliche Unterstützung erhalten. Regelmäßige Schulbegleitertreffen ermöglichen fachlichen Austausch, Reflexion und fachlichen Input. So werden die Mitarbeitenden auf ihre verantwortungsvolle Aufgabe vorbereitet und während ihrer Tätigkeit begleitet.

Für Anne Rüben begann ihre Geschichte mit Ben zunächst ganz anders als geplant. Eigentlich war sie nur kurzfristig als Vertretung vorgesehen. Doch zwischen Ben und ihr stimmte die Chemie von Anfang an.

Bei Anne Rüben und Ben passte es so gut, dass Bens Eltern schon nach kurzer Zeit fragten, ob sie ihren Sohn nicht dauerhaft begleiten könne. Anne Rüben hatte ursprünglich geplant, weiterhin an Schulen in Alsdorf zu arbeiten und mit dem Fahrrad zu ihrem Einsatzort zu fahren. Doch der Wunsch, Ben weiter zu begleiten, war schnell größer als dieser ursprüngliche Plan. Heute kann sie sich kaum noch vorstellen, etwas anderes zu machen.

Gemeinsam durch den Schultag. Anne Rüben arbeitet als Schulbegleitung in Herzogenrath

Schulbegleitung bedeutet mehr als Unterstützung

Anne Rüben hat Ben von Anfang an gut verstanden. Wo andere Menschen zunächst nachfragen mussten, konnte sie seine Sprache, Gefühle und Bedürfnisse oft unmittelbar erfassen. Gerade für ein Kind, das sich nicht immer verbal ausdrücken kann, ist eine solche verlässliche Bezugsperson von großer Bedeutung.

Zu Beginn arbeiteten Ben und Anne unter anderem mit einer Gebärden-App und einem Talker. Doch Ben entwickelte zunehmend den Wunsch, selbst zu sprechen. Anne Rüben begleitete ihn eng auf diesem Weg und unterstützte ihn in seiner Entscheidung. Dabei geht es für sie nicht darum, Ben möglichst viele Aufgaben abzunehmen. Im Gegenteil: Das oberste Ziel ist, seine Selbstständigkeit so weit wie möglich zu fördern.

Anne Rüben ermutigt Ben deshalb, Dinge selbst auszuprobieren. Sie unterstützt ihn, wenn er Hilfe benötigt, lässt ihm aber gleichzeitig den Raum, eigene Erfahrungen zu sammeln. Für Bens Eltern ist genau das besonders wertvoll. Sie erleben, wie viel Sicherheit Anne Rüben ihrem Sohn gibt und gleichzeitig, wie sie ihn immer wieder dazu motiviert, selbstständig zu werden.

Das gemeinsame Ziel ist klar: Ben soll später möglichst selbstbestimmt leben und das tun können, was seinen eigenen Interessen und Wünschen entspricht. Ob er eines Tages auf einem Bauernhof arbeiten, im Garten tätig sein oder einen ganz anderen Weg einschlagen möchte, ist dabei völlig offen. Entscheidend ist, dass er die Möglichkeit bekommt, seinen eigenen Weg zu gehen.

Eine Schule, die Inklusion im Alltag lebt

Ein wichtiger Baustein für Bens Entwicklung ist auch die Grundschule in Pannesheide. Die Schule bietet einen Rahmen, in dem Kinder mit unterschiedlichen Voraussetzungen gemeinsam lernen können. Jahrgangsübergreifendes Lernen gehört zum Schulalltag. Kinder aus verschiedenen Klassenstufen lernen gemeinsam und entwickeln dabei ein besonderes soziales Miteinander.

Für Ben ist diese Lernumgebung ideal. Der Unterricht ist so gestaltet, dass die Kinder gemeinsam in den Morgenkreis starten und anschließend an unterschiedlichen Aufgaben arbeiten. Jedes Kind kann sich entsprechend seines eigenen Lernstandes und seiner individuellen Möglichkeiten mit den passenden Aufgaben beschäftigen. Ben muss deshalb nicht ständig aus der Klasse herausgehen, um mit Anne Rüben an seinem individuellen Lernplan zu arbeiten. Er ist mitten im Klassengeschehen. Während andere Kinder ihre Aufgaben bearbeiten, arbeitet auch Ben an seinen eigenen Lernzielen.

Für ihn ist das ganz selbstverständlich. Und genau darin liegt ein wichtiger Aspekt gelingender Inklusion: Ben erlebt sich als Teil der Gemeinschaft. Er bekommt nicht das Gefühl, „anders“ zu sein, sondern gehört ganz selbstverständlich dazu. Auch Freundschaften sind entstanden. Für Bens Eltern ist das keine Selbstverständlichkeit. Umso glücklicher sind sie darüber, dass ihr Sohn diese Erfahrungen machen darf und seinen Schulalltag gemeinsam mit anderen Kindern erleben kann.

Die anderen Kinder sind Bens Vorbilder

Bens Eltern beobachten, dass ihr Sohn durch die anderen Kinder immer wieder angespornt wird. Er möchte dazugehören und mithalten. Wenn seine Mitschülerinnen und Mitschüler eine Aufgabe lösen, möchte Ben das ebenfalls schaffen. Die Kinder in seiner Klasse sind für ihn Vorbilder.

Auch dabei spielt Anne Rüben eine wichtige Rolle. Sie gibt Ben die Sicherheit, die er benötigt, um sich auf neue Herausforderungen einzulassen. Gleichzeitig traut sie ihm etwas zu. Sie weiß, wann Unterstützung notwendig ist und wann es besser ist, Ben selbst machen zu lassen. Für Bens Eltern ist diese Kombination besonders wichtig: Sicherheit und Selbstständigkeit gehören für sie zusammen. Sie erleben, dass Ben durch die Schulbegleitung Lern- und Entwicklungsschritte machen kann, die ohne diese Unterstützung vermutlich nicht in gleicher Weise möglich wären. Eine Welt ohne Schulbegleitung ist für sie deshalb nur schwer vorstellbar.

Gemeinsam planen, individuell fördern

Schulbegleitung ist Teamarbeit. Anne Rüben arbeitet eng mit den Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen der Schule zusammen. Gemeinsam werden Tages- und Wochenpläne erstellt und konkrete Ziele festgelegt. Daraus entsteht eine individuelle Förderung, die sich an Bens Fähigkeiten und Potenzialen orientiert. Er darf in seinem eigenen Tempo lernen und arbeitet mit einem individuellen Lernplan. Dabei bleibt er Teil der Klassengemeinschaft und erlebt den Unterricht gemeinsam mit seinen Mitschülerinnen und Mitschülern.

Auch Bens Eltern sind eng eingebunden. Zwischen ihnen und Anne Rüben besteht ein hohes Maß an Vertrauen und Transparenz. Das ist besonders wichtig, denn Ben erzählt, wie viele Kinder in seinem Alter, zu Hause nicht unbedingt ausführlich, was er den ganzen Tag in der Schule erlebt. Die Eltern wissen deshalb die enge Zusammenarbeit sehr zu schätzen. Sie erleben Anne Rüben als verlässliche Konstante im Leben ihres Sohnes.

Ein Beruf mit Sinn und Perspektive

Für Anne Rüben ist Schulbegleitung inzwischen weit mehr als nur ein Arbeitsplatz. Sie erlebt ihre Tätigkeit als sinnstiftend und kann sie gleichzeitig gut mit ihrem Familienleben vereinbaren. Als Mutter weiß sie selbst, wie wichtig verlässliche Bezugspersonen für Kinder sind. Genau diese Konstante möchte sie auch für Ben sein. Dass sie dabei viel zurückbekommt, erlebt sie jeden Tag. Von Ben, von seinen Eltern und aus dem schulischen Umfeld.

Ihre Geschichte zeigt zugleich, dass der Einstieg in die Schulbegleitung auch für Menschen möglich ist, die ursprünglich aus einem ganz anderen Berufsfeld kommen. Wer Freude daran hat, Kinder zu unterstützen, Verantwortung zu übernehmen und sich auf individuelle Bedürfnisse einzulassen, kann beim SkF Alsdorf einen sinnvollen beruflichen Weg finden.

Der SkF Alsdorf sucht deshalb auch weiterhin Menschen, die sich vorstellen können, als Schulbegleitung tätig zu werden und Kinder im Schulalltag zu begleiten.

Schulbegleitung beim SkF Alsdorf: Inklusion gemeinsam gestalten

Die Geschichte von Ben und Anne Rüben zeigt, was Schulbegleitung bewirken kann. Sie schafft keine Sonderwelt, sondern ermöglicht Teilhabe. Ben ist heute in seiner Klasse angekommen. Er lernt gemeinsam mit anderen Kindern, entwickelt Freundschaften, arbeitet an seinen individuellen Zielen und macht Schritt für Schritt Fortschritte auf seinem Weg in ein möglichst selbstbestimmtes Leben. Dabei ist Schulbegleitung nur ein Teil eines großen Ganzen. Es braucht Eltern, die ihrem Kind etwas zutrauen. Es braucht Schulen, die Inklusion im Alltag leben. Es braucht Fachkräfte, die individuelle Förderung ermöglichen. Und es braucht Menschen wie Anne Rüben, die einem Kind Sicherheit geben, ohne ihm den Weg abzunehmen.

Für den SkF Alsdorf ist Schulbegleitung deshalb ein wichtiger Bestandteil gelebter Inklusion. Rund 100 Schulbegleiterinnen und Schulbegleiter unterstützen Kinder und Jugendliche an Schulen in der StädteRegion Aachen. Sie begleiten, fördern, ermutigen und schaffen damit Chancen.

Anne Rüben und Ben zeigen eindrucksvoll, was entstehen kann, wenn Vertrauen auf Unterstützung trifft: Ein Kind, das seinen eigenen Weg gehen darf. Und eine Schulbegleitung, die genau dort ansetzt, wo Hilfe gebraucht wird – mit dem klaren Ziel, dass diese Hilfe eines Tages so selbstständig wie möglich werden kann. Denn am Ende geht es nicht darum, Ben einen bestimmten Weg vorzugeben. Es geht darum, ihm die Möglichkeiten zu eröffnen, seinen eigenen Weg zu wählen.